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BHKW oder Wärmepumpe: Welches Heizsystem passt zu Ihrem Gebäude?

Inhaltsverzeichnis:

Wer ein neues Heizsystem plant, steht vor einer wichtigen Entscheidung: BHKW oder Wärmepumpe? Beide Systeme gelten als effizient und zukunftsfähig — doch sie eignen sich für völlig unterschiedliche Gebäude und Nutzungsprofile. Dieser Vergleich hilft Ihnen, die richtige Wahl zu treffen.

Das Wichtigste in Kürze

  • Ein BHKW lohnt sich bei hohem, ganzjährigem Wärmebedarf (ab ca. 30.000 kWh/Jahr) — typisch für Altbauten und Mehrfamilienhäuser.

  • Eine Wärmepumpe arbeitet am effizientesten bei niedrigen Vorlauftemperaturen (35–55 °C) — ideal für gut gedämmte Neubauten.

  • Beide Systeme können die 65-Prozent-Erneuerbare-Energien-Pflicht nach GEG erfüllen — aber auf unterschiedlichen Wegen.

  • Entscheidend sind Gebäudezustand, Wärmebedarf und Ihr Stromverbrauch.

Infografik: BHKW vs. Wärmepumpe Vergleich — Wirkungsgrad, Kosten, GEG-Konformität

BHKW und Wärmepumpe im direkten Vergleich

BHKW und Wärmepumpe verfolgen grundverschiedene Ansätze. Ein BHKW (Blockheizkraftwerk) verbrennt Gas und erzeugt dabei gleichzeitig Strom und Wärme. Eine Wärmepumpe entzieht der Umgebung (Luft, Erdreich oder Grundwasser) Wärme und hebt sie auf Heiztemperatur an.

Kriterium

BHKW

Wärmepumpe

Energiequelle

Erdgas, Biogas, Flüssiggas

Umgebungswärme + Strom

Gesamtwirkungsgrad

85–95 %

300–500 % (COP 3–5)

Stromerzeugung

Ja (20–40 % elektrisch)

Nein (verbraucht Strom)

Ideale Vorlauftemperatur

60–80 °C (kein Problem)

35–55 °C (optimal)

Anschaffung (EFH)

20.000–35.000 €

20.000–35.000 €

Jährliche Betriebskosten

1.500–3.000 € (inkl. Wartung)

1.000–2.000 € (Strom)

Wartungsintervall

Alle 2.000–4.000 Betriebsstunden

Alle 1–2 Jahre (gering)

Lebensdauer

15–20 Jahre (Motor)

20–25 Jahre

CO₂-Bilanz

Besser als Kessel, aber fossile Emissionen

Sehr niedrig bei Ökostrom

GEG-konform

Nur mit Biogas, H₂-ready oder Hybrid

Ja (pauschal erfüllt)

Wirkungsgrad: Warum die Zahlen täuschen können

Der Gesamtwirkungsgrad eines BHKW liegt bei 85–95 %. Das klingt niedriger als der COP einer Wärmepumpe von 3 bis 5. Doch die Zahlen sind nicht direkt vergleichbar.

Ein BHKW nutzt 85–95 % der eingesetzten Gasenergie und verwandelt sie in Strom und Wärme. Der erzeugte Strom ersetzt teuren Netzstrom — das verbessert die Wirtschaftlichkeit erheblich.

Eine Wärmepumpe macht aus 1 kWh Strom 3–5 kWh Wärme. Das ist extrem effizient — allerdings nur bei niedrigen Vorlauftemperaturen. Bei Altbauten mit Heizkörpern (70 °C Vorlauf) sinkt die Jahresarbeitszahl auf 2 oder weniger. Dann wird der Betrieb teuer.

Kosten im Vergleich: Anschaffung und Betrieb

Anschaffungskosten

Beide Systeme liegen preislich in einem ähnlichen Rahmen. Für ein Einfamilienhaus müssen Sie rechnen mit:

  • Mikro-BHKW: 20.000–35.000 € (inkl. Installation und Pufferspeicher)

  • Luft-Wasser-Wärmepumpe: 20.000–35.000 € (inkl. Installation)

  • Sole-Wasser-Wärmepumpe: 25.000–50.000 € (inkl. Erdbohrung)

Laufende Kosten

Hier unterscheiden sich die Systeme deutlich. Ein BHKW verbraucht Gas, erzeugt aber Strom, den Sie selbst nutzen oder einspeisen können. Die Wärmepumpe verbraucht Strom, erzeugt aber keinen.

Faustregel: Ein BHKW lohnt sich wirtschaftlich eher, wenn Sie viel Wärme UND viel Strom verbrauchen. Eine Wärmepumpe ist günstiger bei moderatem Wärmebedarf und gutem Gebäudezustand.

Förderung

Die Förderung unterscheidet sich erheblich:

  • Wärmepumpe: Bis zu 70 % der förderfähigen Kosten über die BEG-Heizungsförderung (max. 21.000 € Zuschuss). Grundförderung 30 %, Klimageschwindigkeitsbonus bis 20 %, Einkommensbonus 30 %.

  • BHKW (Motor): KWK-Zuschlag nach KWKG (bis zu 16 ct/kWh Einspeisung, 8 ct/kWh Eigenverbrauch für ≤ 50 kW). Keine BEG-Förderung für Motor-BHKW.

  • Brennstoffzellen-BHKW: BEG-Förderung möglich (30–70 % Zuschuss).

Für welches Gebäude eignet sich welches System?

BHKW: Ideal für hohen Wärmebedarf

Ein BHKW arbeitet wirtschaftlich, wenn es möglichst viele Stunden pro Jahr läuft. Deshalb eignet es sich besonders für:

  • Altbauten mit hohem Heizenergiebedarf (über 30.000 kWh/Jahr)

  • Mehrfamilienhäuser ab 6 Wohneinheiten

  • Gebäude mit ganzjährigem Warmwasserbedarf (Hotels, Schwimmbäder, Pflegeheime)

  • Gewerbebetriebe mit hohem Strom- und Wärmebedarf

Wärmepumpe: Ideal für effiziente Gebäude

Eine Wärmepumpe arbeitet am wirtschaftlichsten, wenn die Vorlauftemperatur niedrig ist. Das gelingt bei:

  • Neubauten nach KfW-55 oder Passivhaus-Standard

  • Sanierten Altbauten mit Flächenheizung (Fußboden- oder Wandheizung)

  • Einfamilienhäusern mit moderatem Wärmebedarf (unter 20.000 kWh/Jahr)

  • Gebäuden mit Photovoltaikanlage (Eigenstrom für Wärmepumpe)

BHKW und Wärmepumpe im GEG: 65-Prozent-Regel

Seit 2024 müssen neue Heizungen in Neubaugebieten die 65-Prozent-Erneuerbare-Energien-Pflicht nach dem Gebäudeenergiegesetz (GEG) erfüllen. Für Bestandsgebäude gelten Übergangsfristen bis spätestens 2028 (Kommunen über 100.000 Einwohner) bzw. 2028 (kleinere Kommunen).

So erfüllen die Systeme die 65-Prozent-Regel:

  • Wärmepumpe: Erfüllt die Anforderung pauschal — ohne weiteren Nachweis.

  • BHKW mit Erdgas: Erfüllt die Anforderung NICHT allein. Möglich nur als Hybridlösung mit Wärmepumpe oder bei Betrieb mit mindestens 65 % Biomethan.

  • BHKW mit Biogas/Biomethan: Erfüllt die Anforderung, wenn der biogene Brennstoffanteil mindestens 65 % beträgt.

  • Wasserstoff-ready BHKW: Erfüllt die Anforderung als Übergangslösung, sofern die Kommune einen Wasserstoffnetzplan vorlegt.

Weitere Informationen finden Sie in den FAQ des BMWK zum GEG.

Entscheidungshilfe: BHKW oder Wärmepumpe?

Die folgende Checkliste hilft Ihnen bei der Entscheidung:

Wählen Sie ein BHKW, wenn:

  • Ihr Gebäude einen hohen Wärmebedarf hat (über 30.000 kWh/Jahr)

  • Sie gleichzeitig viel Strom verbrauchen

  • Ihr Heizsystem mit hohen Vorlauftemperaturen arbeitet (Heizkörper, 60–80 °C)

  • Sie die Investition über Stromerzeugung refinanzieren möchten

  • Ein Gasanschluss vorhanden ist

Wählen Sie eine Wärmepumpe, wenn:

  • Ihr Gebäude gut gedämmt ist oder Sie eine Sanierung planen

  • Sie eine Flächenheizung haben oder installieren können

  • Sie möglichst unabhängig von fossilen Brennstoffen sein möchten

  • Sie eine Photovoltaikanlage besitzen oder planen

  • Der Wärmebedarf unter 25.000 kWh/Jahr liegt

Hybridlösung: BHKW und Wärmepumpe kombinieren?

In Einzelfällen kann eine Kombination beider Systeme sinnvoll sein — zum Beispiel in einem Mehrfamilienhaus mit hoher Grundlast und Spitzenbedarfszeiten. Das BHKW deckt die Grundlast, die Wärmepumpe übernimmt bei milden Außentemperaturen.

In der Praxis ist diese Lösung jedoch komplex und teuer. Für die meisten Gebäude ist die Entscheidung für EIN System wirtschaftlicher.

Häufige Fragen

Ist ein BHKW oder eine Wärmepumpe günstiger im Betrieb?

Das hängt vom Gebäude ab. Bei gut gedämmten Häusern mit Fußbodenheizung ist die Wärmepumpe günstiger (ca. 1.000–2.000 € Stromkosten pro Jahr). Bei Altbauten mit hohem Wärmebedarf kann ein BHKW wirtschaftlicher sein, weil der erzeugte Strom die Gaskosten teilweise kompensiert.

Kann ich mit einem BHKW die GEG-Anforderungen erfüllen?

Nur unter bestimmten Voraussetzungen. Ein Gas-BHKW allein reicht nicht. Sie benötigen entweder eine Hybridlösung mit erneuerbarer Wärmequelle, mindestens 65 % Biomethan als Brennstoff oder ein wasserstofffähiges Gerät mit kommunalem Wasserstoffnetzplan.

Welches System hat die bessere CO₂-Bilanz?

Die Wärmepumpe — vorausgesetzt, sie wird mit Ökostrom betrieben. Ein Gas-BHKW stößt zwar weniger CO₂ aus als ein normaler Gaskessel, bleibt aber ein fossiles System. Mit Biogas oder grünem Wasserstoff verbessert sich die BHKW-Bilanz deutlich.

Fazit: Die richtige Heizung für Ihr Gebäude

BHKW und Wärmepumpe sind keine Konkurrenten, sondern Lösungen für unterschiedliche Anforderungen. Entscheidend ist Ihr Gebäude: Altbau mit hohem Wärmebedarf spricht für BHKW, gut gedämmter Neubau spricht für Wärmepumpe. Lassen Sie sich von einem Energieberater die Wirtschaftlichkeit für Ihr konkretes Gebäude berechnen.

Quellen: heizung.de — BHKW vs. Wärmepumpe · Gebäudeenergiegesetz (GEG) · BMWK FAQ zum GEG · ASUE — Arbeitsgemeinschaft für sparsamen und umweltfreundlichen Energieverbrauch

FAQ - Häufig gestellte Fragen in Kürze

Was ist besser: BHKW oder Wärmepumpe?

Es gibt kein pauschal besseres System. Wärmepumpen eignen sich für gut gedämmte Gebäude mit Fußbodenheizung und niedrigem Wärmebedarf. BHKWs sind ideal für schlecht gedämmte Altbauten mit hohem Wärmebedarf und hohen Vorlauftemperaturen. Ein BHKW erzeugt zusätzlich Strom, eine Wärmepumpe nutzt Umweltwärme.

Wann ist eine Wärmepumpe die bessere Wahl?

Eine Wärmepumpe ist besser bei: Neubau mit guter Dämmung (KfW 40/55), Fußbodenheizung oder Wandheizung, Vorlauftemperaturen unter 45 °C, Zugang zu Erdwärme oder Grundwasser, und wenn eine PV-Anlage vorhanden ist. In diesen Fällen erreicht die Wärmepumpe eine Jahresarbeitszahl von 3,5-5,0 und arbeitet sehr wirtschaftlich.

Wann ist ein BHKW die bessere Wahl?

Ein BHKW lohnt sich bei: hohem Wärmebedarf über 20.000 kWh/Jahr, Vorlauftemperaturen über 50 °C, Heizkörpern statt Fußbodenheizung, hohem Stromverbrauch (gewerblich), Mehrfamilienhäusern mit Mieterstrom-Potenzial und Gebäuden ohne Möglichkeit für Erdwärmebohrungen. Im Altbau ist ein BHKW oft wirtschaftlicher als eine Wärmepumpe.

Kann man BHKW und Wärmepumpe kombinieren?

Ja, die Kombination ist technisch möglich und kann sinnvoll sein. Das BHKW erzeugt Strom für die Wärmepumpe und übernimmt die Wärmeversorgung bei sehr kalten Temperaturen (wenn die Wärmepumpe ineffizient wird). Diese Hybridlösung ist allerdings komplex und teuer und lohnt sich nur bei sehr großen Gebäuden.

Welches System erfüllt das Gebäudeenergiegesetz (GEG)?

Beide Systeme können die GEG-Anforderung von 65 % erneuerbarer Energie erfüllen. Wärmepumpen schaffen dies direkt über Umweltwärme. BHKWs erfüllen das GEG, wenn sie mit Biogas, Biomethan oder Wasserstoff betrieben werden, oder in Kombination mit PV-Strom. Erdgas-BHKWs allein erfüllen die 65 %-Anforderung nicht.


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