Ein Mini-BHKW erzeugt gleichzeitig Strom und Wärme direkt vor Ort. Mit 15 bis 50 kW elektrischer Leistung eignet es sich für Mehrfamilienhäuser, Gewerbe und öffentliche Gebäude. Dieser Ratgeber erklärt Ihnen Technik, Kosten und Förderung — damit Sie entscheiden können, ob sich die Investition für Ihr Objekt lohnt.
Das Wichtigste in Kürze
Mini-BHKW leisten 15–50 kW elektrisch und kosten 25.000–60.000 € in der Anschaffung. Sie nutzen Erdgas per Kraft-Wärme-Kopplung und erreichen bis zu 95 % Gesamtwirkungsgrad. Der KWKG-Zuschlag beträgt bis zu 16 ct/kWh bei Einspeisung (neue Anlagen bis 50 kW). Die BAFA-Mini-KWK-Förderung ist seit Ende 2020 eingestellt — es bleiben KWKG-Zuschläge und der KfW-270-Kredit.
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Was ist ein Mini-BHKW? Definition und Abgrenzung
Ein Mini-BHKW ist ein Blockheizkraftwerk mit einer elektrischen Leistung zwischen 15 und 50 kW. Es arbeitet nach dem Prinzip der Kraft-Wärme-Kopplung (KWK): Ein Motor treibt einen Generator an und erzeugt dabei Strom. Die Abwärme des Motors wird gleichzeitig zum Heizen genutzt.
Die Bezeichnung „Mini“ ist dabei relativ. Im Vergleich zu Groß-BHKW sind diese Anlagen kompakt. Im Vergleich zu einem Nano-BHKW für das Einfamilienhaus sind sie jedoch deutlich leistungsstärker.
BHKW-Klasse |
Elektrische Leistung |
Typischer Einsatzort |
|---|---|---|
Nano-BHKW |
bis 2,5 kW |
Einfamilienhaus |
2,5–15 kW |
Großes Einfamilienhaus, kleines Mehrfamilienhaus |
|
Mini-BHKW |
15–50 kW |
Mehrfamilienhaus, Gewerbe, Hotels |
Groß-BHKW |
über 50 kW |
Industrie, Nahwärmenetze, Krankenhäuser |
Ein Mini-BHKW lohnt sich überall dort, wo gleichzeitig viel Strom und Wärme gebraucht wird — etwa in Mehrfamilienhäusern ab 6 Wohneinheiten, Hotels, Schwimmbädern oder Gewerbebetrieben.
So funktioniert ein Mini-BHKW
Das Herzstück eines Mini-BHKW ist ein Verbrennungsmotor. Er verbrennt Erdgas (seltener Biomethan, Flüssiggas oder Heizöl) und treibt einen Generator zur Stromerzeugung an. Die dabei entstehende Abwärme — rund 60 % der eingesetzten Energie — wird über Wärmetauscher in den Heizkreislauf eingespeist.
Dieses Prinzip heißt Kraft-Wärme-Kopplung (KWK). Der Vorteil: Statt die Abwärme wie in einem Großkraftwerk ungenutzt an die Umgebung abzugeben, wird sie direkt vor Ort zum Heizen und für die Warmwasserbereitung genutzt. Das spart Primärenergie und senkt den CO&sub2;-Ausstoß.
Motortypen im Überblick
Gas-Ottomotor: Der am weitesten verbreitete Typ. Läuft mit Erdgas, gute Wirkungsgrade, bewährte Technik. Die meisten Mini-BHKW am Markt nutzen diesen Antrieb.
Dieselmotor: Höhere elektrische Wirkungsgrade, aber Emissionsauflagen strenger. Wird vorwiegend in Industrie und Landwirtschaft eingesetzt.
Stirlingmotor: Sehr leise und wartungsarm. Allerdings geringere elektrische Leistung — daher eher im Nano- und Mikro-Bereich verbreitet.
Wirkungsgrade
Der Gesamtwirkungsgrad eines Mini-BHKW liegt bei 85–95 %. Das bedeutet: Von 100 % eingesetzter Energie gehen nur 5–15 % verloren. Zum Vergleich: Ein Gaskraftwerk, das nur Strom erzeugt, erreicht lediglich 40–45 %.
Kennwert |
Mini-BHKW |
Gasbrennwertkessel |
|---|---|---|
Elektrischer Wirkungsgrad |
25–38 % |
0 % (kein Strom) |
Thermischer Wirkungsgrad |
50–65 % |
90–98 % |
Gesamtwirkungsgrad |
85–95 % |
90–98 % |
Stromerzeugung |
Ja |
Nein |
Der entscheidende Vorteil: Ein Mini-BHKW erzeugt neben Wärme auch Strom. Diesen können Sie selbst nutzen oder gegen Vergütung ins Netz einspeisen.
Voraussetzungen für den Betrieb
Ein Mini-BHKW braucht einen geeigneten Aufstellraum im Keller oder Technikbereich. Planen Sie mindestens 4–6 m² Stellfläche ein. Die Anlage benötigt einen Gasanschluss, einen Abgasanschluss über den Schornstein sowie einen Netzanschluss für die Stromeinspeisung.
Wichtig ist auch ein Pufferspeicher für die Wärme. Er gleicht Schwankungen zwischen Erzeugung und Verbrauch aus. Für ein Mini-BHKW empfehlen Fachplaner einen Speicher mit 500–2.000 Litern Fassungsvermögen, je nach Anlagengröße und Warmwasserbedarf.
Ein weiterer Vorteil: Mini-BHKW arbeiten stromgeführt oder wärmegeführt. Im wärmegeführten Betrieb richtet sich die Laufzeit nach dem Wärmebedarf. Im stromgeführten Betrieb läuft die Anlage bevorzugt dann, wenn die Strompreise hoch sind — das maximiert den wirtschaftlichen Nutzen.
Mini-BHKW Kosten: Anschaffung und Betrieb
Die Investitionskosten für ein Mini-BHKW liegen je nach Leistungsklasse zwischen 25.000 und 60.000 €. Hinzu kommen Kosten für Einbau, Hydraulik und Abgassystem — rechnen Sie mit weiteren 5.000–15.000 € für die Installation.
Anschaffungskosten nach Leistungsklasse
Leistung (el.) |
Anschaffung (Gerät) |
Installation |
Gesamtkosten ca. |
|---|---|---|---|
15–20 kW |
25.000–35.000 € |
5.000–10.000 € |
30.000–45.000 € |
20–35 kW |
35.000–45.000 € |
8.000–12.000 € |
43.000–57.000 € |
35–50 kW |
45.000–60.000 € |
10.000–15.000 € |
55.000–75.000 € |
Achtung: Günstige Angebote ohne Vollwartungsvertrag können langfristig teurer werden. Planen Sie immer die Wartungskosten mit ein.
Laufende Kosten pro Jahr
Neben dem Brennstoff (Erdgas) fallen vor allem Wartungskosten an. Ein Vollwartungsvertrag deckt regelmäßige Inspektionen, Verschleißteile und Reparaturen ab.
Brennstoffkosten: abhängig vom Gasverbrauch, bei 5.000 Betriebsstunden und 30 kW thermisch ca. 12.000–18.000 €/Jahr
Vollwartungsvertrag: 2–5 ct/kWh erzeugtem Strom, bei 20 kW elektrisch und 5.000 h/Jahr ca. 2.000–5.000 €/Jahr
Versicherung & Schornsteinfeger: ca. 300–600 €/Jahr
Dem stehen Einnahmen gegenüber: eingesparter Strombezug (ca. 30–40 ct/kWh), KWK-Zuschlag und Einspeisevergütung. Bei guter Auslastung amortisiert sich ein Mini-BHKW in 7–12 Jahren.
Beispielrechnung: Mini-BHKW mit 20 kW elektrisch
Ein konkretes Rechenbeispiel verdeutlicht die Wirtschaftlichkeit. Angenommen: Ein Mehrfamilienhaus mit 8 Wohneinheiten installiert ein Mini-BHKW mit 20 kW elektrischer und 40 kW thermischer Leistung. Die Anlage läuft 5.000 Vollbenutzungsstunden pro Jahr.
Position |
Betrag pro Jahr |
|---|---|
Kosten |
|
Brennstoff (Erdgas, ca. 8 ct/kWh) |
ca. 16.000 € |
Vollwartungsvertrag |
ca. 3.000 € |
Versicherung, Schornsteinfeger |
ca. 500 € |
Einnahmen / Einsparungen |
|
Eingesparter Strombezug (60.000 kWh × 35 ct) |
ca. 21.000 € |
KWKG-Zuschlag Eigenverbrauch (8 ct/kWh) |
ca. 4.800 € |
Einspeisevergütung (Restmenge) |
ca. 2.500 € |
Eingesparte Wärmekosten (statt Gaskessel) |
ca. 4.000 € |
Jährlicher Vorteil netto |
ca. 12.800 € |
Bei Gesamtkosten von ca. 45.000 € ergibt sich in diesem Beispiel eine Amortisationszeit von unter 4 Jahren. In der Praxis liegen die Werte etwas höher, da nicht immer 100 % Eigenverbrauch erreicht werden.
Eigenverbrauch maximieren
Die Wirtschaftlichkeit hängt stark vom Eigenverbrauchsanteil ab. Je mehr Strom Sie selbst nutzen, desto mehr sparen Sie. Eingespeister Strom bringt zwar den KWKG-Zuschlag von 16 ct/kWh plus den üblichen Preis — der eingesparte Netzbezug von 30–40 ct/kWh ist jedoch deutlich lukrativer.
Förderung für Mini-BHKW 2026
Die Förderlandschaft für Mini-BHKW hat sich in den letzten Jahren verändert. Die wichtigste laufende Förderung ist der KWKG-Zuschlag. Die frühere BAFA-Investitionsförderung existiert nicht mehr.
KWKG-Zuschlag (Kraft-Wärme-Kopplungsgesetz)
Jedes zugelassene Mini-BHKW erhält einen gesetzlichen Zuschlag auf den erzeugten KWK-Strom. Für neue Anlagen bis 50 kW gelten nach §7 Abs. 3a KWKG erhöhte Sätze:
Verwendung des Stroms |
Zuschlag (neue Anlagen bis 50 kW) |
|---|---|
Einspeisung ins Stromnetz |
16 ct/kWh |
Eigenverbrauch |
8 ct/kWh |
Zusätzlich erhalten Sie bei Einspeisung den sogenannten „üblichen Preis“ für den Strom — im ersten Quartal 2026 lag dieser bei rund 9,3 ct/kWh. Zusammen mit dem KWKG-Zuschlag ergibt das eine Einspeisevergütung von über 25 ct/kWh.
Wichtig: Ab dem KWKG 2025 (in Kraft seit 01.04.2025) wird die Einspeisung bei negativen Strompreisen auch für Anlagen bis 50 kW nicht mehr vergütet.
KfW-270-Kredit
Über den KfW-Kredit 270 können Sie bis zu 100 % der Investitionskosten finanzieren. Der effektive Jahreszins beginnt bei ca. 3,48 % und kann je nach Bonität und Laufzeit bis über 10 % betragen (Stand: Januar 2026, bonitätsabhängig).
BAFA Mini-KWK-Impulsprogramm: eingestellt seit 31.12.2020
Das frühere Investitions-Förderprogramm des BAFA für Mini-KWK-Anlagen bis 20 kW wurde am 31.12.2020 eingestellt. Es können keine neuen Anträge mehr gestellt werden.
BEG-Förderung: nur für Brennstoffzellen-BHKW
Die Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG) gewährt 30–70 % Zuschuss — allerdings ausschließlich für Brennstoffzellen-BHKW (mit Biomethan, grünem oder blauem Wasserstoff). Motor-BHKW mit Erdgas sind davon ausgeschlossen.
Steuerliche Vorteile
BHKW-Betreiber können die Investitionskosten steuerlich absetzen (Abschreibung über 10 Jahre). Außerdem entfällt für den selbst erzeugten und verbrauchten Strom die Stromsteuer (2,05 ct/kWh) bei Anlagen bis 2 MW.
Mini-BHKW Hersteller im Überblick
Der Markt für Mini-BHKW wird von spezialisierten Herstellern bedient. Anders als bei Heizungsanlagen dominieren hier keine großen Konzerne, sondern mittelständische Unternehmen mit langjähriger KWK-Erfahrung. Hier eine Auswahl der wichtigsten Anbieter mit aktuellen Modellen:
Hersteller |
Modellreihe |
el. Leistung |
Brennstoff |
|---|---|---|---|
G-Box 20 / G-Box 50 |
20–50 kW |
Erdgas, Biomethan |
|
energiewerkstatt |
ASV-Reihe |
14–40 kW |
Erdgas (VW-Motoren) |
EC Power |
XRGI 15 / XRGI 20 |
15–20 kW |
Erdgas, Flüssiggas |
Giese |
Energator |
15–50 kW |
Erdgas, Heizöl, Diesel |
TOTEM (Italien) |
TOTEM 20 |
20 kW |
Erdgas (Fiat-Motor) |
SenerTec (Baxi) |
Dachs Pro 20 |
20 kW |
Erdgas |
Tipp: Achten Sie bei der Auswahl auf die Verfügbarkeit eines Vollwartungsvertrags und das Servicenetz in Ihrer Region. Ein guter Kundendienst ist bei BHKW entscheidend.
Häufige Fragen zum Mini-BHKW
Für wen lohnt sich ein Mini-BHKW?
Ein Mini-BHKW lohnt sich vor allem für Objekte mit hohem und gleichzeitigem Strom- und Wärmebedarf. Voraussetzung sind mindestens 4.000–5.000 Vollbenutzungsstunden pro Jahr. Typische Einsatzorte sind Mehrfamilienhäuser ab 6 Wohneinheiten, Hotels, Schwimmbäder, Pflegeheime und Gewerbebetriebe mit Prozesswärme. Für Einfamilienhäuser ist ein Mini-BHKW in der Regel überdimensioniert — hier sind Nano- oder Mikro-BHKW die bessere Wahl.
Was kostet ein Mini-BHKW im Jahr?
Die jährlichen Betriebskosten setzen sich aus Brennstoff (12.000–18.000 €), Wartung (2.000–5.000 €) und Nebenkosten (300–600 €) zusammen. Dem stehen Einnahmen durch eingesparten Strom, KWKG-Zuschläge und Einspeisevergütung gegenüber. Bei guter Auslastung ergibt sich häufig ein positiver Saldo. Die konkreten Zahlen hängen stark von der Anlagengröße, dem Eigenverbrauchsanteil und den aktuellen Energiepreisen ab.
Wie groß muss mein Mini-BHKW sein?
Die Dimensionierung richtet sich nach Ihrem Wärmebedarf. Faustregel: Die thermische Leistung des BHKW sollte etwa 30–50 % der Heizlast abdecken. Den restlichen Bedarf übernimmt ein Spitzenlastkessel (meist ein Gasbrennwertgerät). Lassen Sie die Berechnung immer von einem Energieberater durchführen — eine Überdimensionierung senkt die Wirtschaftlichkeit erheblich, weil das BHKW dann zu wenige Vollbenutzungsstunden erreicht.
Kann ein Mini-BHKW mit Wasserstoff betrieben werden?
Einige Hersteller bieten bereits H2-ready-Modelle an, die künftig mit Wasserstoff-Beimischungen (bis zu 20 % H2) laufen können. Reiner Wasserstoffbetrieb ist bei Motor-BHKW derzeit aber noch nicht marktüblich. Brennstoffzellen-BHKW arbeiten dagegen schon heute mit Wasserstoff — sind allerdings deutlich teurer in der Anschaffung.
Wie lange hält ein Mini-BHKW?
Die Lebensdauer eines Mini-BHKW liegt bei 60.000–80.000 Betriebsstunden. Bei 5.000 Stunden pro Jahr entspricht das 12–16 Jahren. Nach einer Generalüberholung des Motors (sogenannter „Overhaul“) kann die Anlage oft noch weitere 30.000–40.000 Stunden laufen. Ein Vollwartungsvertrag deckt diese Überholung in der Regel ab.
Welche Genehmigungen brauche ich?
Für ein Mini-BHKW benötigen Sie keine Baugenehmigung, solange es innerhalb des Gebäudes aufgestellt wird. Pflicht ist jedoch die Anmeldung beim zuständigen Netzbetreiber (Einspeiseanmeldung) und die Beantragung der BAFA-Zulassung für den KWKG-Zuschlag. Der Schornsteinfeger muss die Abgasanlage abnehmen.
Checkliste: Mini-BHKW kaufen
Wärmebedarf prüfen: Benötigen Sie mindestens 100.000 kWh Wärme pro Jahr? Dann kann ein Mini-BHKW wirtschaftlich sein.
Stromverbrauch analysieren: Je mehr Strom Sie selbst verbrauchen, desto höher die Einsparung (30–40 ct/kWh eingesparter Netzbezug).
Aufstellort prüfen: Ist ein geeigneter Heizungsraum vorhanden? Mini-BHKW benötigen ca. 2–4 m² und einen Abgasanschluss.
Energieberater einschalten: Lassen Sie eine professionelle Wirtschaftlichkeitsberechnung erstellen.
Drei Angebote einholen: Vergleichen Sie Preis, Wartungsvertrag und Referenzen verschiedener Anbieter.
Förderung beantragen: KfW-270-Kredit VOR der Beauftragung beantragen (über Ihre Hausbank).
Netzbetreiber informieren: Melden Sie das BHKW vor Inbetriebnahme beim zuständigen Netzbetreiber an.
BAFA-Zulassung beantragen: Nach Inbetriebnahme beim BAFA die KWK-Zulassung beantragen, um den KWKG-Zuschlag zu erhalten.
Fazit und nächster Schritt
Ein Mini-BHKW ist eine wirtschaftlich attraktive Lösung für Gebäude mit hohem Strom- und Wärmebedarf. Bei richtiger Dimensionierung und guter Auslastung amortisiert sich die Anlage in 7–12 Jahren. Die Kombination aus KWKG-Zuschlag, eingesparten Stromkosten und steuerlichen Vorteilen macht die Investition langfristig rentabel.
Entscheidend ist eine professionelle Planung. Ein zu großes oder zu kleines BHKW verfehlt die Wirtschaftlichkeitsziele deutlich.
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Quellen: KWKG §7 (gesetze-im-internet.de) · BAFA KWK-Zulassung · KfW 270 · ASUE · dena